Digitaler Euro: Wie schlimm wird es?

Programmierbares Geld und Fürstengeld**

 

Die EZB-Präsidentin verrät in einer Talkshow, dass es mit dem digitalen Euro schneller weitergeht als von Vielen erwartet. Was ist von dem digitalen Geld zu halten? Drei Eigenschaften sind angekündigt: 1. Emission über die Geschäftsbanken, 2. keine Anonymität, 3. Programmierbarkeit ist unbekannt. Einschätzung: 1 ist gut, 2 ist schlecht, 3 wäre eine Katastrophe.

 

Zum Buch:

Fürstengeld, Fiatgeld, Bitcoin: Wie Geld entsteht, einen Wert bekommt und wieder untergeht Taschenbuch – 30. April 2025

Es gibt drei unterschiedliche Typen von Geld: Fürstengeld, Fiatgeld und Knappheitsgeld. Jede der drei Formen wirkt aus einer Sicht wie Betrug und aus einer anderen wie die einzige Form soliden Geldes – und sie werden oft miteinander verwechselt. Alle drei Geldkonstruktionen existieren heutzutage gleichzeitig. Dieses Buch erklärt, was die Unterschiede sind und welches Geld für wen von Vorteil ist. Erfahren Sie zum Beispiel: - Wer Geld missbrauchen kann, um sich zu bereichern - Wieso Geld früher oder später immer untergeht - Wieso unser Geld vermeintlich aus dem Nichts entsteht, aber trotzdem werthaltig ist - Wieso die MMT (moderne monetäre Theorie) falsch ist - Und viele weitere unbekannte Aspekte von Geld und Wert

Analyse

Ein Referat von Prof. Dr. Christian Rieck sowie eine Transkript-Analyse des Videos von Aurelia Varnholt

 

Der digitale Euro:

Was wirklich geplant ist – und worauf wir achten müssen

 

Es wird ernst mit dem digitalen Euro. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat kürzlich in einer Talkshow sinngemäß angedeutet, dass der digitale Euro bereits Ende 2025 starten könne. Diese Aussage klang dramatischer, als sie tatsächlich ist. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Eine flächendeckende Einführung ist für Ende 2025 nicht vorgesehen. Vielmehr soll zu diesem Zeitpunkt die Vorbereitungsphase abgeschlossen sein und eine Pilotphase beginnen.

 

Das Projekt selbst läuft bereits seit 2023. Von Anfang an war geplant, die Vorbereitungen bis Ende 2025 abzuschließen und anschließend erste Tests mit ausgewählten Nutzern durchzuführen. Genau das hat Lagarde angekündigt: keine sofortige Einführung für alle, sondern ein Testbetrieb. Dennoch ist klar: Das Projekt nimmt Fahrt auf, und es ist etwas, womit sich jeder Bürger beschäftigen sollte.

 

Natürlich hängt der weitere Verlauf auch von Entscheidungen des EU-Parlaments ab. Realistisch betrachtet ist es jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass das Parlament das Projekt insgesamt stoppt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es – in welcher Form auch immer – fortgeführt wird.

 

Gerade deshalb ist es entscheidend, in welche Richtung sich der digitale Euro entwickelt. Man kann bei seiner Ausgestaltung sehr viel falsch machen. Zwar findet die Debatte nicht vollständig hinter verschlossenen Türen statt, faktisch bleibt sie aber einer kleinen Expertenöffentlichkeit vorbehalten. Viele Menschen verstehen das bestehende Geldsystem nur begrenzt – und damit auch nicht, was der digitale Euro tatsächlich bedeutet.

 

Ein verbreiteter Irrtum ist, der digitale Euro sei lediglich eine Art moderne Bezahlkarte. Das ist er nicht. Er stellt einen tiefen Eingriff in das Geldsystem dar und bedeutet eine völlig neue Konstruktion von Geld. Die Implikationen muss man verstehen – sonst läuft man Gefahr, Entwicklungen hinzunehmen, deren Tragweite man erst erkennt, wenn es zu spät ist.

 

Einführung über Geschäftsbanken – eine gute Nachricht

 

Nach aktuellem Stand soll der digitale Euro nicht direkt von der EZB, sondern über die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht werden. Das ist grundsätzlich positiv. Geschäftsbanken spielen im heutigen Geldsystem eine zentrale Rolle: Sie prüfen, ob neu entstehendes Geld durch reale wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gedeckt ist. Dieses Zusammenspiel zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken sorgt dafür, dass Geld nicht völlig beliebig geschaffen wird.

 

Fällt diese Kontrollinstanz weg, droht das, was man historisch als Fürstengeld kennt: Geld, das allein durch die Obrigkeit definiert und manipuliert wird. Dass die Geschäftsbanken beim digitalen Euro eingebunden bleiben sollen, ist daher ein wichtiges Schutzelement – auch gegenüber staatlicher Macht.

 

Keine Anonymität – ein massives Problem

 

Problematisch ist hingegen, dass der digitale Euro nach bisheriger Planung nicht anonym sein soll. Zahlungen wären vollständig nachvollziehbar: wer, wann, wem, wie viel bezahlt hat. Zur Rechtfertigung werden wie immer schwere Verbrechen angeführt – Terrorismus, Geldwäsche und Ähnliches.

 

Dieses Argument überzeugt nicht. Anonymität im Zahlungsverkehr ist eine zentrale Voraussetzung individueller Freiheit. Sie schützt den Bürger davor, für jede Handlung implizit um Erlaubnis bitten zu müssen. Bargeld erfüllt genau diese Funktion – und ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sich historisch überhaupt eine freie Bürgerschaft entwickeln konnte.

 

Dass ausgerechnet bei Zahlungen der Datenschutz faktisch aufgegeben werden soll, während er in anderen Bereichen akribisch verteidigt wird, ist nicht akzeptabel. Hier besteht akuter Nachbesserungsbedarf. Ein nicht-anonymes Geld ist ein gravierender Rückschritt für eine freiheitliche Gesellschaft.

 

Programmierbarkeit des Geldes – die größte Gefahr

 

Besonders kritisch ist das Thema Programmierbarkeit des Geldes. Dabei kommt es häufig zu gefährlichen Begriffsverwirrungen. Programmierbare Zahlungen – etwa über Smart Contracts – sind etwas völlig anderes als programmierbares Geld.

 

Programmierbare Zahlungen können Abläufe automatisieren, etwa beim Öffnen einer Ferienwohnung nach Zahlungseingang. Das ist technisch interessant und gesellschaftlich weitgehend unproblematisch.

 

Programmierbares Geld hingegen bedeutet, dass das Geld selbst Bedingungen und Eigenschaften erhält: zeitliche Begrenzungen, Zweckbindungen, regionale Einschränkungen oder sogar die Möglichkeit, seinen Wert nachträglich zu entziehen. Historisch entspricht das dem Verruf von Münzen im Feudalwesen – ein klassisches Instrument der Enteignung.

 

Solche Funktionen werden heute offen diskutiert, oft unter Begriffen wie conditional money, targeted money oder programmable money. Auch wenn viele Entwickler dabei keine autoritären Absichten verfolgen, gilt eine einfache Regel: Was staatlich missbraucht werden kann, wird früher oder später auch missbraucht.

 

Ein programmierbarer Euro wäre kein Geld mehr im klassischen Sinne, sondern eher ein staatlich kontrollierter Gutschein – ein „Fürstengeld auf Steroiden“. Das wäre das Ende eines freien Geldsystems.

 

Bargeld als unverzichtbares Parallelsystem

 

Unbedingt notwendig ist daher, dass Bargeld dauerhaft als Parallelsystem erhalten bleibt. Nicht nur wegen seiner Anonymität, sondern auch aus Gründen der Resilienz. Ein rein digitales System ist extrem störanfällig. Stromausfälle, Cyberangriffe oder Krisensituationen würden den gesamten Zahlungsverkehr lahmlegen.

 

Ohne Bargeld wäre eine Gesellschaft in solchen Momenten faktisch handlungsunfähig. Das darf nicht unterschätzt werden – gerade in Zeiten, in denen offen über Krisen- und Verteidigungsszenarien gesprochen wird.

 

Fazit

 

Ein digitaler Euro kann sinnvoll sein – wenn er als digitales Bargeld konzipiert wird: anonym, nicht programmierbar, begrenzt in seiner Macht über den Bürger und eingebettet in ein System mit klarer Gewaltenteilung. Alles andere wäre ein Rückschritt.

 

Es lohnt sich, sich intensiv mit Geldsystemen zu beschäftigen. Der digitale Euro wird uns über Jahrzehnte begleiten. Umso wichtiger ist es, jetzt genau hinzusehen und frühzeitig klare Grenzen zu ziehen.

 

 

Ein Bild, das Kugel, Lampe enthält.

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Ergänzungen zum obigen Artikel

 

**Fürstengeld – eine sehr alte Idee in neuem Gewand (von Aurelia Varnholt)

Fürstengeld ist jene charmante Geldform aus vergangenen Jahrhunderten, in der der Fürst erklärte, was Geld ist, wie viel es wert ist – und gelegentlich auch, ab wann es nichts mehr wert ist. Der Bürger durfte sich darüber freuen, dass ihm diese Entscheidungen abgenommen wurden.

 

Das Prinzip war einfach: Wer die Macht hat, definiert das Geld. Wer das Geld definiert, hat die Macht. Münzen wurden verrufen, Werte neu festgelegt, und reale Vermögen wechselten geräuschlos den Besitzer – ganz ohne komplizierte Steuerformulare.

 

Man könnte sagen: Fürstengeld war effizient. Aus heutiger Sicht allerdings vor allem effizient darin, Untertanen daran zu erinnern, wer eigentlich das Sagen hat.

 

Die moderne Variante kommt ohne Prunk, ohne Krone und ohne Schlossgraben aus. Sie trägt Anzug, spricht von „Governance“ und „Zielsteuerung“ und lächelt dabei technokratisch. Das Grundprinzip bleibt jedoch erstaunlich vertraut: Geld als Instrument politischer Lenkung.

 

Der Fortschritt besteht lediglich darin, dass Fürstengeld heute nicht mehr aus Silber besteht, sondern aus Code – und sich damit sehr viel präziser einsetzen lässt. Man könnte fast sagen: Fürstengeld 2.0. Ganz ohne Kutsche, aber mit Serverfarm.

 

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Fürstengeld und Lebensmittelkarten

Gibt es Gemeinsamkeiten?

 

Aurelia: Ja – es gibt Gemeinsamkeiten, allerdings nur, wenn man Fürstengeld im Sinne von staatlich ausgegebenem Sonder- oder Ersatzgeld in Krisenzeiten versteht. (Der Begriff ist historisch nicht ganz eindeutig, deshalb ordne ich ihn kurz ein.)

 

Kurz erklärt

 

Fürstengeld: Geld, das von einem Fürsten/Staat ausgegeben wurde, oft außerhalb des normalen Münz- oder Währungssystems, z. B. in Notzeiten (Kriege, Finanzkrisen, Metallknappheit).

 

Lebensmittelkarten: Staatliche Bezugs- oder Rationierungsscheine, mit denen der Zugang zu knappen Gütern geregelt wurde (z. B. im Ersten und Zweiten Weltkrieg).

 

Gemeinsame Merkmale

 

Kriseninstrumente

Beide wurden vor allem in Not- und Mangelsituationen eingeführt (Krieg, Inflation, Versorgungskrisen).

 

Staatliche Kontrolle

Sie dienten dazu, Wirtschaft und Versorgung zu steuern, wenn der freie Markt nicht mehr funktionierte.

 

Begrenzte Gültigkeit

·      Sowohl Fürstengeld als auch Lebensmittelkarten waren meist zeitlich und regional begrenzt.

·      Kein „freies“ Geld im modernen Sinn

·      Fürstengeld war oft nur eingeschränkt einlösbar.

·      Lebensmittelkarten hatten keinen Geldwert, sondern garantierten nur den Anspruch auf bestimmte Waren.

 

Soziale Funktion

Beide sollten soziale Unruhen verhindern und eine Mindestversorgung sicherstellen.

 

Wichtiger Unterschied 😉

Fürstengeld = Zahlungsmittel (wenn auch eingeschränkt)

Lebensmittelkarten = kein Geld, sondern ein Verteilungsnachweis

 

Mit Dank an Aurelia

 

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=MMd3-2-RqHs

https://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3924043973/ref=nosim/christianriec-21

 

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Ein Bild, das Reihe, Kreis enthält.



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